Die leise Sehnsucht

Author: Vreni Schenk / Labels:

Die leise Sehnsucht

Ein lauwarmer Sommertag im August neigt sich
langsam dem Ende zu. Die heran brechende Nacht
lädt zu einen romantischen Spatziergang ein.
Ich brauche nur an dich zu denken, und brauche
dich nur vor mir zu sehen um tief in mir zu wissen,
das ich dich aus der tiefe meines Herzens Liebe.
Ich möchte neben dir auf einer schönen bunten
Wiese liegen. Unter uns beiden eine flauschige Decke,
die uns vor der ins Gras kriechenden Feuchtigkeit
der heran nahenden Nacht schützt.
Wir liegen da und schauen gemeinsam in den
Sternenhimmel über uns.
Die Nacht ist wie geschaffen für unsere Liebe.
Unsere Hände berühren sich ganz sacht.
Ich schließe langsam meine Augen und genieße
mit all meinen Sinnen deine zärtlichen Berührungen
auf meiner Haut. Langsam tasten sich deine
Fingerkuppen an meinen Arm entlang hinauf und
krabbeln weiter zu meiner Schulter, meinen Nacken
bis sie zärtlich meine Gesichtszüge erreicht haben
und nachzeichnen.
Ein leises seufzen kommt über meine Lippen.
Ich öffne langsam meine Augen und sehe deinen
Blick mit einem Ausdruck von Liebe auf deinen Gesicht
und in diesen Augenblick fallen Sternschnuppen vom
Himmel herab. Du lächelst und liegst mir jetzt
zugewannt auf der Seite und hast deinen Oberarm auf
der Decke liegen. Spitzwinklig spreizt sich dein Unterarm
ab und in deiner Hand bettet sich dein Kopf mit schwarzen
Haaren. Immer noch malen zärtlich deine Fingerkuppen
Gebilde auf mein Antlitz. Kaum kommen sie meinen
Lippen zu nahe, versuche ich sie auch schon liebevoll
einzufangen. Als es mir gelingt sie ein zufangen, kicherst
du und ich halte sie mit meiner Hand fest um jeden deiner
Finger zu küssen. Eine leicht kühle Brise weht über unsere
Haut die noch vom heißen Sommertag erhitzt ist.
Durch die Hitze trägst du nur ein Trägerloses Hemd und
eine Shorts und ich eine Seidenbluse und einen kurze Hose.
Der frische Luftzug durch dringt unsere sinnlichen Körper.
Unweigerlich verhärten sich meine Brustwarzen unter
meiner Seidenbluse. Es ist so schön.
Ich drehe mich zu dir um und lasse nun meine Finger
über deinen Bauch auf Wanderschaft gehen. Zärtlich
umkreise ich deine Brustwarzen und dein Körper
wird von einer Gänsehaut überzogen.
Und schon spüre ich deine Hand zärtlich auf meinen
Stoff wie sie jede einzelne Kurve meines Körpers nimmt.
Mit unendlich viel Gefühl streichelst du meinen Körper.
Ich schaue dich an und könnte in deinen Augen tief versinken.
Meine Lippen sehnen sich nach deinen und ich stehle
mir einen Kuß von dir. Es ist so schön bei dir zu sein.
Ich spüre deine Wärme, deine Zärtlichkeit, deine Hand
die mich sanft berührt und mich so fest hält, wunderbare
Gefühle sind in mir, deine Schenkel auf meinen Hüften.
Ich höre und fühle deinen Atem über mir, der sich ganz
langsam meinem Gesicht nähert. Dein Hände umspielen
zärtlich meine Brüste und wecken ein unendliches Verlangen
in mir. Dich zu spüren und mein Verlangen nach deinen
Lippen, die über meinen Körper wandern, Hingabe und
Genuß, blindes Vertauen, dich zu begreifen und zu erkunden.

Das Außergewöhnliche Waldleben

Author: Vreni Schenk / Labels:

Das Außergewöhnliche Waldleben

Am Stadtrand von nirgendwo, liegt ein riesiger, dunkler Wald.
Dort leben Tiere aller Rassen und sie führen ein streitloses
Leben. Es ist wie ein Wunder. Die Menschen, die mit dem
täglichen Streits und Unfrieden ihren Tag beschreiten, ahnen
nichts von den Dingen die im Wald vor sich gehen. Als die
Sonne hinter dem Wald verschwand, trafen sich die Tiere
auf einer Lichtung und erzählten sich ihre Schicksale.
Ein Pelikan der vor Jahren aus einem Zoo ausgerissen war,
erzählte von seiner Heimat. Die Biber sammelten Holz
für ein Lagerfeuer. Als das Feuer brannte, setzten sich alle
um das Feuer und der Pelikan erzählte seine Geschichte.
Er sei als Vogelkind den Eltern geraubt worden und mußte
viele Jahre allerlei Kunststücke machen, die ihm nicht
sonderlich gefielen. Eines Tages gelang ihm die Flucht.
Er würde was geben, könnte er wieder nach Hause.
Ganz still und unbemerkt gesellte sich eine Elfe hin zu.
„ Und wie können wir dir helfen? „
Fragten die Waldtiere den Pelikan.
„ Ja, ich brauche ein Boot mit Segel.
Das ist doch kein Problem!
Morgen in aller frühe werden die Biber den schönsten und
dicksten Baum fällen, den der Wald zu bieten hat. „Das
wollt ihr wirklich für mich tun?“ Ja keine frage. Am nächsten
Tag ganz früh machten sich alle Biber an die Arbeit.
Ein Storch, der auf einem Horst wohnte, kam vom
Waldrand herübergeflogen und sagte den Finken und
Spechten Bescheid, um am Bau zu helfen. Die Spechte
hämmerten mit den Schnäbeln eine große Mulde in den
gefällten Baumstamm.
Der schlaue Fuchs gab die Bauanleitung. Die Elfe hörte
von dem Heimweh des Pelikans. Mit kleinen Tricks gelang
es das Boot fertig zu bauen. Alle Tiere beteiligten sich am
Bau. Die schlaue Elster schickte man los um ein Segeltuch
zu suchen. Der Igel kam mit einem Paddel zum Boot.
Nur die Stange, die als Maßt dienen sollte war
nicht aufzufinden. Die Tiere fanden die Sachen am
Waldrand, denn die Menschen warfen alles an den
Waldrand, was sie nicht mehr brauchten.
Einerseits waren die Tiere froh aber ärgerten sich
über den Unrat. Schon oft ist es vorgekommen das die Tiere
sich in den Unrat der Menschen verfingen und sich verletzten.
Nach drei Wochen, war das Boot fertig,
aber der Maßt war nicht aufzufinden.
Am nächsten Tag trafen sie sich alle auf der Lichtung
ein und waren der Verzweiflung nahe. Die Sonne verschwand
langsam am Horizont. Der Pelikan fing an zu weinen,
alle Arbeit war um sonst. Plötzlich, ein Geräusch,
ein flattern näherte sich dem Lagerfeuer.
Es war die all wissende Eule mit dem Uhu.
„Guten Abend, was seit ihr denn alle so niedergeschlagen.
Der Pelikan brachte vor Trauer keinen Ton raus.

Die Erinnerung

Author: Vreni Schenk / Labels:

Die Erinnerung
Erinnerung an eine verdammt harte
kaputte Kindheit, weit, sehr weit weg,
hinter dicken Nebeln, tief vergraben.
Ganz langsam, fühle ich etwas näher
kommen, fühle, Angst und Wut, Vertrautheit
und Befremdung und Hoffnung zugleich,
für einen sehr kleinen Moment-
dich mein armes Kind
Tief vergraben in der dunklen Tiefe meiner Seele
Tief verschüttet unter den schweren Trümmern
des Mißbrauchs, aber du lebst !!!-
langsam fange ich an zu Wissen, was
dir alles einst geschah.

 .Weinen
 Ich sah sie weinen und ich sah wie ihre Seele
zerbrach und wie das Blut an ihren Armen herunderlief
Ich sah ddas sie amEnde war.Und ganz am Ende bemerkte ich
das ich nur in den Spiegel sah !!!

Geh du vor
Geh du vor sprach die Seele zum Körper
auf mich  hört sie nicht.Vielleicht hört sie
auf dich.Ich werde krank werden, dann wird sie Zeit
für dich haben sprach der Körper
zur Seele!

Unzählige Tränen

Author: Vreni Schenk / Labels:

Vorwort


Namen und Orte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit Personen sind rein zufällig. Die Handlung beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Schauplätze liegen in den neuen Bundesländern, wo es an der Tagesordnung war strafbare Handlungen einfach tot zu schweigen. Man hörte ganz selten etwas von Mißhandlung und Mißbrauch.



Lissy ist Anfang dreißig und total unglücklich mit ihrem Leben.
Sie ist schlank und ihr schulterlanges dunkelblondes Haar
umrahmt ein blasses schmales Gesicht. Die blauen Augen
haben den strahlenden Blick schon lange verloren. Lissy hat
zwei Berufe erlernt, ist Mutter von zwei Kindern und verheiratet.
Was will man mehr. Man sollte glauben, das Leben geht
geordnete Wege. Es kam ganz anders. Ihre Vergangenheit ist
überall zu spüren, auch wenn sie glaubt, sie hätte sie
überwunden. Die Seele hat tiefe Verletzungen hinnehmen
müssen. Der alte Spruch, die Zeit heilt alle Wunden gilt schon
lange nicht mehr für Lissy. Denn es gibt Wunden, auf der Seele
die nie mehr heilen wollen. Ein tiefer Schmerz. Dieses
unendlich, melancholische Gefühl, die Gewißheit, etwas
verloren zu haben, das kostbar und unwiederbringlich
gewesen, war.
Geboren wurde sie im Jahre 1964 von einfachen Bauern,
Übersiedlern aus Neurode in Polen. Sie lebten im Osten von
Deutschland, wo es an der Tagesordnung war, das sehr vieles
unter den Teppich gekehrt wurde. Mißhandlung und Mißbrauch
gab es in den neuen Bundesländern nicht, obwohl sie da
waren, sie wurden einfach Tod geschwiegen. Die Realität war
eine ganz andere. Lissy war das erste Kind. Kaum auf der Welt
lernte sie, was es hieß geschlagen, gedemütigt und gefesselt
zu werden. Warum? Weil sie ein Mädchen wurde, der Bruder,
der aber zwei Jahre später zur Welt kam, dem erging es nicht
anders, obwohl er ein Junge war. Was sollte man davon halten.
Dies kann kein Grund sein? Aber es geschah. Eine Hölle, in der
es hieß, zu überleben. Die Wohnung naß, kalt und die Wände
schimmlich und immer die Angst vor Augen, geschlagen zu
werden. Es war kaum zum Aushalten. Und doch den Schein
waren nach außen, eine glückliche Familie zu sein. Lissys und
Jeffs Eltern waren grausam, kalt, grob, gewalttätig und herzlos.
Grete und Horst heirateten in einer Kleinstadt. Aus dieser
Verbindung gingen keine Kinder hervor. Da Grete sich
sehnlichst Kinder wünschte und Horst keine Kinder leiden
konnte, wurde die Ehe nach drei Jahren geschieden. Aber nach
einem Jahr heirateten beide erneut. Sie wußte genau, auf was
sie sich da einließ. Horst trank und war immer stark
verschmutzt. Grete dachte, sie könnte ihn ändern. Genau das
waren die Punkte, die damals zur Scheidung führten.
Zu dieser Verbindung kam es erneut, nach langen
Diskussionen mit der Mutter von Horst. Seine Eltern wollten
unbedingt, das sie wieder heiraten. Horst sollte unbedingt in
festen Händen sein. Denn seine Mutter wußte längst, das Horst
seine Trinkerei und die Unsauberkeit nie alleine in den Griff
bekommen würde. Sie heirateten ein zweites Mal. Und wie
konnte es anders sein, nach zehn Jahren wurde diese Ehe
erneut geschieden. In dieser Zeit wurden Lissy und Jeff
geboren. Die Beiden ahnten nichts von ihrem Unglück. Sie
waren einfach nicht willkommen. Und das bekamen sie jeden
Tag aufs neue zuspüren. Grete ging nach kurzer Zeit fremd und
Lissy entstand. Es folgten lange Streitigkeiten.Man dachte

erneut über eine Scheidung nach, aber verwarf den Gedanken
gleich wieder und zog die Scheidungsklage wieder zurück. Der
Grund, man einigte sich. Grete und Horst sprachen sich aus.
Sie nannte Horst den Namen des eigentlichen Vaters von Lissy.
Er bestand darauf. Horst schrieb einen Brief an den
Kindsvater, daß er Lissy als sein eigenes Kind ansieht und er
keinerlei Rechte mehr hätte. Es war ein gewisser Herr Fröhlich,
und Horst fragte nicht mehr weiter nach. Anfangs lief alles gut.
Horst hatte ihr den Seitensprung verziehen, oder nicht? Zwei
Jahre später wurde Jeff geboren und die Dinge nahmen ihren
Lauf. Eine Kinderwelt zerbrach in tausend Einzelteile. Der
Vater versprach sich nach und nach dem Alkohol. Er kam
selten nach Hause oder mehrere Tage gar nicht. Und wenn er
kam brach die Hölle los. Die Auseinandersetzungen zwischen
den Eltern waren grausam so das Lissy und Jeff immer wieder
zwischen die verhärteten Fronten gerieten. Immer, wenn Horst
betrunken nach Hause kam, lies Grete ihren Frust an den
Kindern ab. Von Mal zu Mal wurde es schlimmer. Lissy lernte
bei Zeiten auf ihren Bruder auf zupassen. Sie war die ältere
und mußte mit ran, egal ob sie verstand was, da eigentlich vor
sich ging. Die Angst wird von nun an ihr ständiger Begleiter
sein. Als sie drei und zwei Jahre alt waren, wurden sie fast
täglich geschlagen und für Stunden allein, gefesselt in ihren
Betten zurück gelassen. Die Mutter verlies für Stunden die
Wohnung. Oft hatten die Kinder Angst die Mutter kommt nicht
zurück. Wenn sie endlich kam war sie am herum schreien. Die
Kinder wurden nie bei ihren Namen gerufen. Sie hörten nie
liebe Worte sondern Kraftausdrücke. Horst störte das nicht im
geringsten, er trank weiter. Wenn Lissy und Jeff gerufen
wurden, rief man sie Mistschweine, her kommen. Es gab auch
andere Worte der unschönen Art. Essen gab es selten, da der
Vater das Geld regelmäßig vertrank. Die Mutter ließ den Ärger
und ihre Wut immer mehr an den Kindern aus. Die
Wutausbrüche nahmen mehr und mehr zu. Horst kam nur noch
betrunken nach Hause. Wenn sie das Glück hatten, spazieren
zu gehen und einzukaufen, mußte Lissy immer Wache halten,
denn wenn Horst davon Wind bekam, stürmte er den Laden
und machte regelmäßig einen Aufstand. Er nahm der Mutter
mitten im Laden die Brieftasche weg. Lissy bekam, weil sie
nicht warnte, eine Ohrfeige. Sie konnte nicht warnen, da sie
starr vor Schreck war, als der Vater aus heiterem Himmel im
Laden stand. Sie hatte ihn einfach nicht kommen sehen. Sie
stritten lautstark. So das die Leute immer mit bösen Blicken zu
ihnen hinüber schauten. Einige verließen auf dem schnellsten
Weg den Laden. Andere schimpften und schüttelten den Kopf,
aber griffen nie ein. Einkaufen war nur heimlich möglich, wenn
der Vater seinen Rausch ausschlief. Die Kleine zitterte jedes
Mal, wenn sie einkaufen gehen mußten. Horst stellte
regelmäßig die Wohnung auf den Kopf und schlug alles und
jeden der ihm im Weg stand. Lissy zitterten regelmäßig die
Beine vor Angst, wenn der Vater wieder auf der Jagd nach Geld
war. Er war immer sehr jähzornig und unberechenbar, wenn er

trank. Fand er kein Geld, gab es Prügel. Wenn er nicht sehr
betrunken war, ging die ganze Familie an den Wochenenden
spazieren. Brav und lieb spielten sie nach außen hin die schöne
heile Familie, in der die Kinder einmal lachen konnten. Das war
aber immer nur von kurzer Dauer. Man ging sehr selten weg.
An anderen Tagen währen die Mißhandlungen aufgefallen, den
man den Kindern antat. Keiner ahnte, was wirklich hinter der
Fassade vor sich ging. Grete war aggressiv und sehr brutal
geworden. Horst ein ständig betrunkener Vater, der seine
Familie tyrannisierte. Er wurde oft volltrunken mit der
Schubkarre vor Gretes Wohnungstür abgekippt. Auf Arbeit
trank er nicht. Es gab nie Klagen von dort. Aber nach der Arbeit
betrank er sich maßlos. Die Mitbewohner im Haus
beschwerten sich regelmäßig über das Geschrei der Kinder. In
schöner Regelmäßigkeit erbrach er sich und brüllte herum, man
sollte es ihm sofort aufwischen. Nach dieser Aktion trank er oft
zu Hause weiter und man viel ständig über seine leeren
Flaschen. Diese dienten den Kindern als Spielzeug, wenn er
nicht da war. Wurden sie von der Mutter beim Spielen mit den
Flaschen erwischt, bekamen sie Prügel mit dem Besen. Viel
hatten sie ohne hin nicht. Für Spielzeug war kein Geld da. Lissy
hatte eine Puppe und Jeff zwei Autos und die kamen vom
Sperrmüll. Das hielt sie den Kindern vor, wenn sie nach was
Neuem fragten. Wenn er mal alleine nach Hause fand, war die
Katastrophe da. Die Kinder versteckten sich so schnell wie
möglich unter ihren Betten, als er die Mutter schlug,
beschimpfte und die Möbel aus dem Fenster warf. War er damit
fertig zog er seine Kinder, eins nach dem anderen an den
Haaren unter dem Bett hervor und schlug sie grundlos
windelweich. Die Kinder lagen danach stundenlang und
regungslos zusammengekauert in der Ecke und konnten sich
kaum bewegen. Oft wußten sie nicht einmal warum sie gerade
verprügelt wurden. Weinen konnten sie und durften sie nicht. Er
hätte sie sonst weiter geprügelt, bis sie Ruhe gaben. Danach
legte er sich in sein Bett als sei nichts geschehen. Am anderen
Tag wußte er nichts mehr. Als Lissy sieben Jahre alt war, flog
das Elend endlich auf. Die Familie wurde von fremden Leuten
längere Zeit beobachtet. Man hatte die Familie angezeigt.
Unerwartet stand das Jugendamt vor der Tür, und es hieß das
sich Leute beschwert hätten. Man hörte die Kinder Tag und
Nacht schreien. Als die Behörde die Wohnung am Nachmittag
betrat, kam das ganze Ausmaß ans Tageslicht. Grete riß Lissy
vom Topf, auf dem sie Stunden verbracht hatte. Der
Topfabdruck war deutlich auf ihrem Hintern zu sehen. Die
Wohnung war verdreckt und ein übler Geruch nach Schimmel
und anderen Unrat lag in der Luft. Lissy und Jeff fingen
fürchterlich an, zu schreien. Sie wußten nicht, was gerade vor
sich geht. Ein kleiner Kampf entbrannte. Die Dame vom Amt
und Grete zogen an den Kindern herum. Ihnen taten durch das
Gezerre die Arme weh. Da Grete die Kinder nicht kampflos
übergab, mußte die Polizei zur Hilfe geholt werden. Die
Polizisten traten nach mehrmaligen klingeln, klopfen und rufen

die Tür ein. Lissy und Jeff hielten sich gegenseitig bei den
Händen und drängten sich vor lauter Angst in eine Ecke des
Raumes. Die Kinder wurden im August 1970 schreiend aus der
Wohnung entfernt. Sie verstanden nicht, was da gerade vor
sich ging. Es bestätigte sich der dringende Verdacht auf
schwere Mißhandlung und Verwahrlosung. Die Kinder kamen in
ein Krankenhaus und wurden gründlich untersucht. Dabei
stellte man fest, daß sie verschmutzt und voller schlecht
verheilter Wunden waren. Ihre halb verhungerten Körper
wiesen zahlreiche Blutergüsse, Narben und bei Jeff eine
Nasenfraktur auf. Noch am selben Tag wurde eine vorläufige
Verfügung erwirkt, damit sie ins Heim kamen. Nach dem beide
Kinder sich wieder etwas erholt hatten kamen sie in ein
Kinderheim. Grete legte ein all umfassendes Geständnis ab.
Es blieb ihr nichts anderes über, denn die Nachbarn im Haus
hatten die Familie angezeigt. Sie schilderte die Taten als sei
dies ganz normal, kein Funken der Reue war auch nur
ansatzweise zu erkennen. Nach nur zwei Monaten waren die
polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen. Es wurde eine
Gerichtsverhandlung einberufen unter Ausschluß der
Öffentlichkeit. Die Anklageschrift lautete: Seit die Kinder zwei
und drei Jahre alt waren, hatte die Mutter sie täglich in der Art
und weise mißhandelt, das sie die Kinder schlug und zwar mit
dem Teppichklopfer, Pantoffel, der flachen Hand oder mit dem
Lederriemen. Mit unter schlug sie mit dem Besenstiel auf dem
Tisch, der in einem Falle sogar zerbrach, um den Kindern Angst
ein zuflößen. In einem weiteren Wutanfall schlug die Mutter
Lissy mit einem glühenden Feuerhaken ins Gesicht, und Jeff
brach sie das Nasenbein. Weiter hieß es, wenn die Mutter die
Wohnung verließ, band sie die beiden Kinder entweder im Bett
oder an das Tischbein auf dem Topf fest. Meist lagen sie
vierzehn Stunden im Bett und durften und konnten sich nicht
bewegen. Lissy wurde an den Handgelenken und Fußgelenken
mit einem Seil fest gebunden, und Jeff bekam ein sogenanntes
Laufgeschirr für Kleinkinder umgebunden. Durch die täglichen
Schläge haben beide Kinder Striemen, Blutergüsse und
Brandwunden am ganzen Körper davon getragen. Dadurch,
daß die Wunden schlecht versorgt wurden, sind sie bei dem
Kind Lissy besonders stark ausgeprägt. Ferner verletzten sie
die Impflicht, in dem sie mit den Kindern nicht zu den
erforderlichen Impfterminen erschienen. Beide Kinder sind
sprachgestört, unterernährt und in ihrer Entwicklung um ein
Jahr zurück geblieben. Soviel zur Anklageschrift. Das Urteil ein
Witz, lautete für Grete ein Jahr Gefängnis und für Horst zwei
Jahre auf Bewährung. Die beiden wurden geschieden, mit der
Auflage nie mehr zu heiraten, auch keine anderen Partner.
Horst bekam die Bewährung nur, weil er sich angeblich nicht an
den Mißhandlungen beteiligte. Wie auch, er war ja immer nur
betrunken. Er wußte alles aber unternahm nichts. Aber in
Wirklichkeit war er ebenso beteiligt. Das Gericht sah das aber anders.
Man rechnete ihm den Alkohol an. Somit war er zur Tatzeit nicht
zurechnungsfähig. So einfach machte man sich das.

Sauf und dir wird verziehen. Bei nicht Einhaltung der
Bewährung drohten ihm zehn Monate Haft. Grete wurde gleich
vom Gerichtssaal aus ins Gefängnis gebracht. Damit wurde
der Leidensweg unterbrochen. Das Urteil schreit zum Himmel.
Ist denn ein Menschenleben so wenig wert. Nach der
Verhandlung, mußten Lissy und Jeff in ein staatliches
Kinderheim. Das Mädchen lag noch einige Zeit im
Krankenhaus, die Verletzungen waren nicht ganz verheilt. Sie
waren in zwei Heimen. An das erste Kinderheim hat Lissy nur
verschwommene Erinnerungen. Das zweite Kinderheim lag
etwas abseits von einem Dorf. Es war ein altes graues Rittergut
mit Schloß und einem Park. Umringt von Bäumen und
überwucherten Wiesen mit angrenzendem Moor, das Lissy um
ein Haar fast verschluckte. Das große Gebäude konnte einen in
Angst versetzen. Alles in allem nicht sehr kinderfreundlich
ohne Liebe aber jede Menge Strenge. Die hohen Räume waren
in Grautöne gehalten, es gab mehrere Schlafräume, ein
großes Spielzimmer und einen Besucherraum der immer unter
Verschluß gehalten wurde. Eben ein Heim, wo nur das Nötigste
vorhanden war. Die Anwohner waren nicht gerade begeistert.
Immer, wenn die Kinder, in ihrer Einheitskleidung im Dorf in
Zweierreihen spazieren gingen, wurde getuschelt und man
erzählte sich, was daher kommt, lügt und stielt. Was da
herkommt, ist schon ganz unten und wird nie in die Gesellschaft
passen. So kann man das auch sehen. Schublade auf und
alles, was anders ist, rein und gut. Getreu dem Motto, was
anders ist, damit wollen wir nichts zu tun haben. Es wird nur
selten gefragt warum sind diese Kinder an so einem Ort. Die
beiden Kinder lebten nun einige Wochen in diesem Heim. Man
sollte annehmen es ginge ihnen dort besser. Auch hier waren
Prügel an der Tagesordnung. Morgens nach dem Aufstehen
wurden die Betten kontrolliert. Lissy und Jeff waren Bettnässer,
und so kam es vor, das die Beiden sich regelmäßig in die Mitte
des Raumes stellen durften. Alle Kinder lachten sie aus, und
zeigten mit den Fingern auf sie. Beim Essen mußten sie schnell
sein oder man geht hungrig vom Tisch. Sie war meistens
Letzter und da sie nicht so schnell essen konnte, wurde ihr das
Essen regelmäßig von den anderen Kindern weggenommen.
Wehrte sie sich, flog sie vom Tisch. Niemand kümmerte was
die Kinder untereinander machten. Spielsachen hatten sie nie
allein, sie mußten oft darum kämpfen. Wenn Lissy sich wehrte,
wurde sie verprügelt. Langsam gab sie jede Reaktion auf und
versteckte sich in einer Ecke des Zimmers, um von niemandem
mehr gesehen zu werden. Lissy fing an sich selber auf zu
geben. Am Nachmittag, wenn, schönes Wetter war, ging es auf
den Hof zum Spielen. Lissy fügte sich nur mit Widerwillen. Sie
rannte mit den anderen über den Hof und viel dabei in eine
Jauchengrube, wo die Abdeckung kaputt war. Lissy konnte sich
gerade noch an eine Eisenstufe fest halten. Zum Glück hing sie
da nicht lange und wurde von einer Besucherin des Heimes
gefunden. Die Erzieher hatten es nicht einmal bemerkt. Da das
Heim nicht richtig umzäunt war, geschah es ein zweites Mal

das Lissy in ein Moor geraten war. Jeff lief so schnell er konnte
zu einer Erzieherin, die fühlte sich gestört, und beauftragte ein
paar ältere Mädchen, sie aus dem Moor zu ziehen. Das taten
sie auch, mit Widerwillen und Lissy mußte dafür büßen. So
wurde sie Grün und Blau geschlagen. Tag ein Tag aus gab es
wie zu Hause Prügel. Eines Tages kam eine Frau zu Besuch
ins Heim. Sie beobachtete die Kinder beim Spielen. Niemand
bemerkte was von ihrem Besuchen. Ihr Augenmerk viel auf die
kleine Lissy die alleine und traurig in einer Ecke stand. Die
Erzieher kamen und zogen ihr neue Sachen an. Mach ein
freundliches Gesicht du sollst ein neues zu Hause bekommen.
Und so kam es das Lissy ins Besucherzimmer gebracht wurde.
Nun wußte sie warum die Tür nur selten geöffnet wurde. Die
Frau fand gefallen an dem kleinen zierlichen Mädchen. Lissy
erkannte sie, es war die Frau, die ihr aus der Grube geholfen
hatte ohne mit ihr zu schimpfen oder sie zu schlagen. Sie
unterhielten sich, sie antwortete kaum und ließ sich auch nicht
in den Arm nehmen. Lissy hatte immer noch große Angst.
Einen Monat später wurde sie eingeschult. Zu diesen Anlaß war
auch die Frau gekommen, und brachte ihr zu diesem Anlaß
eine Zuckertüte mit. Aus der Tüte schaute ein Teddybär
heraus, der wurde Lissys bester Freund. Lissy versteckte ihre
Süßigkeiten unter dem Kopfkissen. Sie dachte, endlich mal was
allein haben zu dürfen. Doch das half nichts, wenn sie ihr
Versteck beschützen wollte, gab es Prügel von den anderen
Kindern. Aber das beeindrucke Lissy nicht sonderlich. Sie hatte
sich an das Prügeln gewöhnt. Denn Schokolade und Bonbons
kannte sie nicht. Dies Dinge kamen für sie aus einer anderen
Welt. Sie war mit dem Teddybären voll zu Frieden. Dieser
Teddy wird Lissy lange begleiten, sie gab ihn nie her. Sie hütete
ihn wie einen wertvollen Schatz. Dieser Teddy wird später
Lissys Geheimnisträger. Nach den Sommerferien im Jahre
1972 wurde Lissy aus dem Heim geholt. Schwer krank und am
Ende ihrer Kraft und dem Tode nah, verließ sie das Heim. So
begann die Trennungszeit von Jeff. Lissy wurde zuerst zu einer
Pflegefamilie gebracht. Die fremde Familie nahm die Kleine gut
auf. Da Lissy sehr schwach war mußte sie erst eine Weile
gepflegt werden. Sie hatte hohes Fieber. Man glaubte erst die
Kleine wird das nicht überstehen, da sie den Lebenswillen
aufgegeben hatte. Rosa legte ihr den Teddy in den Arm und
hoffte. Es wollte keine Besserung eintreten. Das Fieber wollte
einfach nicht sinken. Lissy hatte Angst, dachte sie fällt aus dem
Bett, weil sich alles um sie herum drehte. Sie phantasierte und
sprach im Fieber. Rosa saß mehrere Tage am Bett von Lissy,
hoffte auf Besserung und redete immer beruhigend auf sie ein.
Sie soll nicht aufgeben, es wird schon werden. In der
Pflegefamilie lebten Zwillinge, zwei Jungen. Rosa, die Lissy
adoptieren will, besuchte das kleine Mädchen regelmäßig.
Langsam besserte sich der Gesundheitszustand der Kleinen.
Doch sah sie immer noch sehr dünn aus, und war sehr anfällig
für Krankheiten. Zum ersten Mal konnte Lissy sich in aller Ruhe
satt essen, ohne darum kämpfen zu müssen. Sie schaute aber

immer wieder umher, ob da auch wirklich keiner ist der ihr was
wegnehmen will. Diese Stille war ihr unheimlich. Ein Paar
Wochen später wurde sie von Rosa nach Hause geholt. Rosa
war eine große Frau, Anfang vierzig. Sie trug hellblondes
gefärbtes Haar und eine Brille. Ihr Blick strahlte wärme,
Herzensgüte und Strenge aus. Es war ein altes gelbes
Mehrfamilienhaus in einer Kleinstadt. Als Lissy da ankam,
wurde sie von einer älteren Frau begrüßt, das war die Mutter
von Rosa. Von nun an hatte Lissy eine Mutter und eine
Großmutter, die sie auch so nennen durfte. Stiefmutter nahm
Lissy nie in den Mund warum sollte sie auch, denn sie war wie
eine richtige Mutter. Sie behandelte Lissy wie ihr eigenes Kind.
Nun begann die Trennungszeit von Jeff. Er mußte bis zum
achtzehnten Lebensjahr im Heim bleiben. Rosa ging arbeiten
und Marie die Großmutter stellte sich in ihrem hohen Alter nach
Obst für Lissy an, denn das war immer schwer zu bekommen
und schnell ausverkauft. Nach den Sommerferien ging Lissy
wieder in die Schule. Nach ein paar Monaten mußte Lissy
wieder aus der Schule genommen werden. Rosa wunderte sich
schon lange das sie nicht auf jede Ansprache reagierte. Lissy
versuchte, sich mit Hilfe einer Zeitung und Buchstaben zeigen
zu verständigen. Sie hatte fast alle Buchstaben in der Schule
gelernt. Und das war ihr Glück. Rosa war sprachlos. Denn mit
dieser Art Verständigung hatte Rosa nicht gerechnet. Also
gingen sie zu einem Arzt. Dort stellte man fest, das Lissy seit
ihrer Geburt gehörlos war. Die Mutter dachte das Lissy bockig
und stur sei, dem war nicht so. Eine Woche später mußte Lissy
ins Krankenhaus. Die Mandeln wurden herausgenommen. Die
waren zu groß gewachsen und haben die Gehörgänge
blockiert. Rosa kam jeden Tag. Einmal wäre sie fast aus dem
Krankenhaus weggelaufen. Denn sie hatte echt die Nase voll
davon. Der letzte Krankenhausbesuch dauerte fast ein halbes
Jahr. Als Lissy das erste Mal wieder zu hören begann, ist sie
fast wahnsinnig geworden. Die Vielzahl an Geräuschen waren
für Lissy viel zu laut, sie hielt sich dauern die Ohren zu. Sie
konnte nicht fassen das eine Welt, soviel Lärm aber auch
schöne Geräusche zu gleich haben konnte. Rosa tröstete Lissy,
und der Rest der Woche verging wie im Flug. Als Lissy wieder
zu Hause war, zog die Familie um. Da die Wohnung zu klein
war, und Marie die Kohlen nicht mehr die Treppe hoch tragen
konnte, bekam die Familie eine Neubauwohnung. Eine
Neubauwohnung war damals was ganz Besonderes, erzählte
Rosa ganz neben bei. Ja man mußte schon was darstellen.
Man mußte in der Partei oder eine andere Position inne haben.
Rosa bekam die Wohnung, weil sie beim Jugendamt arbeitete
und in der Partei war. In die Partei mußte Rosa gehen, denn
sonst hätte sie den Waisenkindern nicht helfen können. Wollte
man was im Osten von Deutschland was bewegen war man
gezwungen Wege zu gehen die man nicht gehen wollte. Marie
bekam Lissys Kinderzimmer. Ihr war das egal, denn es war
genug Platz da. Hauptsache sie muß nicht zurück ins Heim.
Lissy ging weiter zur Schule, die Schulzeit war auch kein

angenehmes Unterfangen und trotzdem ging sie gerne. Sie
wurde dort regelmäßig und grundlos geschlagen. Jeden Tag
waren die Sachen weg oder von Mitschülern in den Teich der
an der Schule war hineingeworfen worden. Rosa war fast
täglich damit beschäftigt neue Kleidung und mindestens einmal
im Monat einen neuen Ranzen zu kaufen und Schulbücher zu
beschaffen. Marie schimpfte Lissy aus, denn sie hatte sie
heimlich eine lange Zeit beobachtet, um zu sehen was, da los
ist. Die alte Frau hatte nichts zu tun und war Tags über allein zu
Haus. Rosa war arbeiten und konnte daher sich nur wenig um
Lissys Probleme kümmern. Die Großmutter schaute sich das
Treiben auf dem Schulhof und auf dem Heimweg an. Was sie
da sah und hörte, war wirklich nicht schön. Denn in der Schule
hatte sich herumgesprochen, das Lissy einen anderen
Familiennamen hatte als der Rest der Familie. Es machte
schnell die Runde, das Lissy aus dem Heim kam. Ein Lehrer
hatte eine Bemerkung fallen gelassen. Kinder können
untereinander sehr gehässig und grausam sein. Lissy wurde
von allen Schülern gehaßt, stand allein in einer Ecke des
Schulhofes, als sie aus heiterem Himmel von einem Jungen
getreten und geschlagen wurde. Den Lehrern ging das nichts
an, sie sahen weg. Es dauerte nicht lange und es wurden
immer mehr die auf Lissy einschlugen. Die Großmutter holte
Lissy von der Schule und sagte: „Lissy, du mußt dich endlich
mal wehren. Es kann doch nicht sein, das deine Schulsachen
laufend weg und die Anziehsachen kaputt sind. Aber nur
wehren, wenn du nicht selber angefangen hast. Das nennt man
Notwehr." Aber Lissy lies sich alles gefallen, bis auf ein einziges
Mal. Ein Junge verfolgte sie den ganzen Weg von der Schule
bis nach Hause. Er schlug und rief dauernd: Na wann gehst du
mit deiner Hexe wieder spazieren, du blödes Heimkind. Ätsch
du hast keine Eltern. Wo bleibt denn dein Krüppel, der dir
immer hilft.“ Lissy lief Spießruten. Die Worte taten so weh. Da
packte sie die kalte Wut und nahm den Jungen am Hals und
schlug ihn mit dem Kopf gegen eine Steinmauer und sprach,
„sag so was nie wieder über meine Mutter.“ Dann ließ er von
ihr endlich ab. Sie ging nach Hause und erzählte was sich
zugetragen hatte der Großmutter. Kurz darauf stand die Mutter
des Jungen vor der Tür und beschwerte sich, das Lissy ihn mit
dem Kopf gegen die Mauer geknallt hatte. Lissys Großmutter
erzählte der Frau, was sie gesehen und später gehört hatte. „Ihr
Sohn hat Lissy beleidigt und ebenfalls meine Tochter als
Krüppel beschimpft. Bringen sie erst mal ihren Sohn Benehmen
und Respekt bei, dann sprechen wir uns wieder auf
Wiedersehen.“ Damit war das Gespräch beendet und die Tür
fiel ins Schloß. Als am Abend Rosa von der Arbeit nach Hause
kam, erzählte Marie, was sich am Tag zugetragen hatte. Die
Großmutter holte Lissy oft von der Schule ab. Man machte nicht
mal vor der alten Dame halt. Marie wurde mehrmals von den
Schülern bedroht. Aber Marie lies sich das nicht lange bieten
und nahm ihren Gehstock und setzte sich zur Wehr. Lissy
konnte es nicht glauben was sie da sah. Sie sagte zu Lissy

hast du das gesehen die wagen es kein zweites Mal. Von nun
an lies man Marie und Lissy wenn man sie zusammen sah in
Ruhe. Eine Woche später war in der Schule Elternabend.
Immer, wenn diese Abende, bevorstanden, hatte Lissy große
Angst. Einmal las man zum Elternabend ihren Aufsatz vor, weil
er der Lehrerin gut gefallen hatte. Ein anderes Mal mußte Rosa
in die Schule, weil Lissy ihre Lehrerin mit einem Opernglas
beobachtete. Als Rosa nach Hause kam, lachte sie erst mal.
„Lissy das machst du aber nicht noch mal. „Glück gehabt
dachte sich Lissy. Das hätte im Heim enden können. Diese
Angst war eigentlich unbegründet, denn Lissy hatte nie etwas
Schlimmes angestellt. Rosa hatte Regeln für das zusammen
Leben aufgestellt. Und die lauteten, nicht Lügen, nicht stehlen
und schon gar nicht frech sein. Rosas Motto war alt und grau
kannst du werden, nur nicht dumm und dämlich. An einem
Wochenende fuhren Rosa und Lissy zu einem Jugendwerkhof.
Rosa besuchte dort ein schwererziehbares Kind. Als sie da
ankamen, sagte Rosa zu Lissy: „Sie dich hier gut um, wenn du
irgendwas anstellst, dann landest du hier.“ Dort herrschten
schlimme Zustände. Lissy sah einen Jungen mit völlig Blau
geschlagenem Gesicht im Bett liegen. Anderen aus seiner
Gruppe mußten zur Strafe Kohlen schippen. Diese Dinge
nannte man Gruppenerziehung. Wenn einer in der Gruppe was
ausgefressen hatte, mußten alle dran glauben und da nach
wurde der Übeltäter grün und blau geschlagen damit er lernte
sich zu benehmen. Lissy dachte sich, bloß nicht hier landen.
Sie hatte genug gesehen und war froh wieder zu Hause zu
sein. Lissy hielt sich mit wenigen Ausnahmen da rann, denn
sonst ging es wieder ab ins Heim, und das wollte sie auf keinen
Fall. Denn ein Wort hätte genügt von ihrer Mutter und sie wäre
da gelandet, was sie zu sehen bekommen hatte. Ihre Mutter
arbeitete ehrenamtlich im Jugendamt mit. Trotz aller Regeln
hatte Lissy viel Spaß, aber auch Angst. Nur die Angst war nicht
zu ertragen. An Dummheiten war nie zu denken. Denn die
Drohung ins Heim zu müssen schwebte immer und überall wo
sie war im Raum. Lissy stand dauernd unter Druck alles richtig
zu machen, denn sonst drohte das Heim. Rosa fuhr oft mit
Lissy in den Urlaub. Dort lernte Lissy ein Mädchen kennen, daß
später ihre einzige Freundin wurde. Diese Freundschaft hielt
über Jahre. Rosa war immer gegen diese Freundschaft. Warum
das so war, erfuhr sie nie. Erst langjährige Brieffreundschaft
und später besuchten sie sich oft. Lissy durfte Jeff regelmäßig
besuchen. Die Schulferien waren immer die Besten, denn da
waren die beiden Kinder wieder vereint. Und immer dann waren
die Betten trocken geblieben. Rosa lächelte. Lissy machte
lange nachts ins Bett, aber Rosa verlor nie ein böses Wort über
die nassen Betten. Das endete erst kurz, bevor Lissy in die
Lehre kam. Und immer die Angst ins Heim zu müssen, wenn
was nicht richtig lief. Ein paarmal durfte Jeff aus dem Heim und
Lissy besuchen. Oft wollten die Heimerzieher Jeff nicht aus
dem Heim lassen, weil er stur und dauern ins Bett machte. Aber

Rosa gab nicht auf und sorgte mit endlosen Reden dafür, das die
Besuche immer stattfinden konnten. Meistens gingen sie
alle Hähnchen essen. Rosa brauchte nicht lange zu fragen, was
man essen wollte. Jeff war oft bei Lissy zu Hause, und spielten
mit Lissys Meerschweinchen, oder zeigten Jeff die Stadt. Beide
spielten, wenn sie im Zimmer waren, sehr leise, man hörte sie
kaum. Rosa kam öfters ins Zimmer und sah nach dem Rechten.
Man wollte nicht einen Tag vermissen, denn viel Zeit hatte man
nicht. Und die Angst war immer überall, auch beim Spielen. Die
Abschiede waren immer sehr dramatisch. Es tat weh und das
jedes Mal aufs neue. Bei Lissy stellte sich langsam, sehr
langsam das Vertrauen zu Rosa ein, sie lernte Rosa als ihre
Mutter besser kennen und lieben. In der Schule hatte sie
immer Schwierigkeiten und fühlte sich nie recht wohl in ihrer
Haut. Oft wurde Rosa als Hexe bezeichnet oder schlimmer als
Krüppel bezeichnet. Hexe und Krüppel deshalb, weil Rosa eine
Behinderung mit dem Rücken hatte, das war aber Lissy nicht
bewußt, denn sie nahm sie so, wie sie war, und war froh eine
gute Mutter zu haben. Ihr war das Aussehen egal, sie nahm
das Äußere, der neuen Mutter nicht war. Sie hatte es nur
bemerkt, weil die anderen Kinder sie ständig damit hänselten.
So schaute sie sich ihre Mutter genauer an. Rosa hatte einen
Buckel. Sie dachte sich, na und das ist kein Grund so
abscheuliche Sachen über sie zu sagen. Immerhin kann jeder
durch einen Unfall entstellt werden. Was soll das nur. Rosa
hatte viel Geduld, ein großes Herz und viel Verständnis und
strenge für Lissy. Sie wußte, was sie tat. Rosa zog vor ihr
mehrere Waisenkinder auf. Eine bewundernswerte Frau, die mit
viel Kraft anderen Menschen half, ohne jemals an sich zu
denken. Lissy beschlich immer ein ungutes Gefühl. Sie fühlte
sich immer auf verlorenen Posten. So richtig glücklich war Lissy
nicht, obwohl sie alles hatte. Und doch war da was, was sie
nicht in Worte fassen konnte. Lissy dachte, vielleicht liegt es an
ihr Selbst aber eine Lösung hatte sie nie gefunden. Freunde
hatte sie weder in der Schule noch in dem Wohngebiet, wo sie
wohnte. Sie war sehr scheu und suchte auch nicht den Kontakt
zu den anderen. Die Angst war zu groß, denn Ablehnung und
ausgenutzt zu werden, das kannte sie zu Genüge. Und die
Gefahr in irgendwelche Dummheiten verwickelt zu werden war
zu groß, den das hieß Heim. Lissy lebte nach dem Motto, nur
Einsamkeit ist das beste Mittel gegen schlechte Gesellschaft.
Die, die sich Freunde nannten kamen nur zu Lissy, wenn sie
Schulbrot, Geld, Schokolade oder sonst irgendwas bei sich
hatte, das den anderen zu sagte. Dann waren alle gut zu Lissy,
aber wehe sie hatte nichts dann wurde sie geprügelt. Rosa
wußte um die Schwierigkeiten und sagte zu Lissy, sie soll sich
nichts daraus machen. Ware Freunde erkennt man, wenn sie
auch in der Not zu einem halten. Und sie sollte noch recht mit
dem Spruch haben. Alles, was Rosa einmal zu Lissy sagte,
wurde auf die eine oder andere Art war. Rosa wußte von den
Schwierigkeiten, da sie, sie selbst mit eigenen Ohren gehört
hatte. Oft war sie in der Schule und mußte mit den Lehrern
sprechen, das man Lissy endlich in ruhe lies. Aber das löste
mehr Ärger aus, und alles wurde schlimmer.

Rezension

Author: Vreni Schenk / Labels:

Anrührend erzählt die Autorin den schweren Lebensweg der Protagonistin, die zahlreiche seelische Verwundungen hinnehmen musste. Ohnmächtig treibt sie hin- und hergerissen auf der Suche nach den wahren Gefühlen, Glück und Anerkennung. Einfühlsam und sensibel, dabei durchweg fesselnd, erzählt sie die tragischen Ereignisse.Es wird deutlich, dass ein Kind in seiner eigenen Welt lebt und den Erwachsenen schutzlos ausgeliefert ist. Wenn die Verhältnisse durch Ereignisse wie Entbehrungen, Schuldgefühle und Unterdrückung geprägt sind, kann kein Kind in Geborgenheit aufwachsen. Es wird gleichsam zu einem kleinen Erwachsenen und muss sein Nichtkindsein auf andere Weise schmerzvoll verkraften. Erst nach einer tiefen Krise gelingt es ihr, in sich hineinzuhorchen, Gefühle zuzulassen, Glück zu empfinden und die Vergangenheit allmählich zu bewältigen.Dieses Buch ist sehr zu empfehlen. Man sollte nicht nur die Zeilen lesen, sondern auch zwischen den Zeilen. Oft findet man sich selbst wieder. Es regt zum Nachdenken an und es bleibt zu hoffen, dass es die Gesellschaft mit ihren Vorurteilen aufrüttelt.